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Eine Auffälligkeit welche alle psychopathischen Patienten auszeichnet, ist Furchtlosigkeit. Dadurch bringen sich diese Patienten vollkommen unbeabsichtigt selbst in Gefahr.

Diesen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung allerdings, können Psychopathen selbst nicht begreifen.

Der Hund ist ein Psychopath. Intelligent, charmant und wild. Allerdings auch von Instinkten gesteuert, hyperaktiv und vollkommen frei von Angst.

Dem bedauernswerten Hundeführer dieses bildschönen Geschöpfs, muss jedem Moment Bewusst sein, dass er es mit einem ihm feindlich gesinnten, strategisch denkendem Sportsmann zu tun hat, welcher in einem konstantem Wettbewerb zu ihm steht.

„Mein Hund springt 2m.“ Lasse ich die Wirtin der Hundepension wissen. „Ihr Hund springt doch keine 2m.“ Antwortet die Wirtin ungläubig.

3 Tage später dann der Anruf:

„Ihr Hund ist über den 2m Zaun gesprungen, hat das Pferd gejagt. Das hat ihm dann einen Zahn ausgeschlagen.“

Der psychopathische Hund.

Heute. Es ist wieder einer dieser Tage, an denen der Hund vorwurfsvoll guckt und großen Liebreiz verströmt.

Wir gucken uns an und freuen uns über dieses liebenswerte Tier.

„Pass auf ihn auf. Du weißt er ist stark und wild. Wenn er weg ist, ist er weg. Keine Züge und Pferde! Du weißt was er uns schon angetan hat. Er ist eine Bestie!“

Er lacht und streichelt liebevoll das schöne Biest, dessen Fell wie edler, englischer Samt die Haut schmeichelt.

„Er macht nichts mehr. Wir gehen schön spazieren. Passiert nix.“

Mein Blick fällt kummervoll auf das neue Würgehalsbald. Viel zu mickrig. Meine Meinung. Die Leine wirkt auch schon porös.

„Die hält. Das Halsband ist super. Alles gut.“ Sagt er vergnügt und spaziert wie „Hans im Glück“ mit der Töle aus der Tür.

Die Zeit ohne die beiden ADHS-Kasper will ich nutzen um ein bisschen zu ratzen. Allerdings finde ich keine Ruhe. Irgendetwas stimmt nicht. Die beiden Jungs sind viel zu lange weg. Wird schon nichts passiert sein, versuche ich Ruhe zu finden.

Es ist aber doch was passiert:

„Wenn man Dich braucht, dann pennst Du! Der Hund ist weg!!!! Seit einer halben Stunde rufe ich auf Dein Handy an. Wo ist Dein Handy? Wieso nicht am Bett? Das Halsband ist gerissen. Einfach gerissen! Der ist weg. Schon lange…“

Sein vom Schreck verzerrtes Gesicht! Sein Stammeln… Das macht mir Angst. Was für ein Unglücksrabe. Denke ich. Denke ich dann lieber nicht. Dann doch: „Was für ein …!“

Keine Zeit für Hass und Beschimpfungen. Er tut mir leid. Der arme Mann. Wir müssen das Auto nehmen. Die beiden Jungs sind unendlich weit weg von zu Hause im Wald unterwegs gewesen, als der Köter beschloss die Tour ohne Hundeführer fort zu setzen.

Der Mann kann nur noch stammeln. Er ist stocksauer. Beim Anblick des Geländes, habe ich schon keine Lust mehr zu suchen. Aussichtslose Sache denke ich mir. Und dass die Bestie immerhin ein Ende in Freiheit gefunden hat. Heulen kann ich nicht. Aber sauer auf den armen Idioten bin ich schon. Irgendwo in der Wildnis stelle ich mich hin und flöte wie Teufel auf der Hunde-Pfeife. Irgendwann taucht tatsächlich das geliebte Tier auf. Kommt und kuschelt sich an mich. Mein Herz läuft über vor Freude und Stolz.

Leider habe ich keine Leine. Der arme Mann ist irgendwo im Nichts verschollen. Mein Rufe nach ihm, Halsband und Leine, verhallen unerhört. Der Bestie wird es zu langweilig. In den Minuten an meiner Seite hat er neue Kraft geschöpft und darum setzt er seine Expedition spontan fort. Nichts mehr zu machen.

„Können Sie mir helfen?“ Werde ich von einem Mädchen, welches mit 2 Ponies auf der einsamen Weide steht gefragt. „Ja, gerne. Würdest Du mir helfen, wenn Du meinen Hund irgendwo siehst?“ Frage ich zurück, während ich ins Gatter steige.

„Wenn ich ihn sehe, dann binde ich ihn mit einem Seil fest.“ Sagt das Mädchen.

„Ach, er mag keine Pferde. Hoffentlich wird das gut gehen.“ Antworte ich kummervoll.

Die Ponies mögen mich nicht besonders. Was denen aber nichts nutzt. Zu Hunden, Kindern und Pferden habe ich eine spezielle Beziehung. Ein bisschen autoritär. Aber deren Gesellschaft schätze ich sehr. Das Mädchen ist ein wenig überfordert mit den Ponies. Routiniert halte ich die Bestien im Schach. Pferdesport ist und bleibt meine große Leidenschaft. Nach dem das größere Pony im Zaum ist, setze ich meine Hunde Suche fort. Das Mädchen und das Pony möchten mich aber nicht verlassen. Der Hund sitzt irgendwo im Busch und lauert auf mich. Das ist auch sicher. Der arme Mann allerdings, ist inzwischen mit den Nerven vollkommen am Ende. Er tut mir und dem Mädchen leid.

Also pfeife ich erneut nach dem Köter. Das Biest kommt auch. Sieht den armen Mann, stürzt sich auf die Pony-Weide und jagt das verbleibende kleine Pony ohne Gnade.

Am Gatter hat sich inzwischen eine Traube von Spaziergängern gebildet und gafft. Der Köter hat sich Tritte vom Gaul eingefangen. was den allerdings nicht an weiterer Hatz hindert. Als ich endlich dort eintreffe.

Man kann vieles über mich verbreiten. Tatsache ist allerdings, dass ich nicht groß und dick bin. Ich bin auch nicht richtig klein… Allerdings bin ich wirklich nur eine halbe Portion. Warum ausgerechnet ich mit Hunden und Ponies kämpfen muss?

Eigentlich wollte ich doch Hausfrau werden… Und jetzt das!

Mit einem Sprung rüber ins Gatter. Den Köter befehlen, der hört nicht. Also Köter und Pony trennen. Darum platziere ich mich strategisch günstig und als das Pony im Galopp an mir vorbei zieht, schnappe ich mir die Mähne und den Kopf und stelle mich dem Vieh in den Weg. Mit vollem Körpereinsatz schaffe ich es den Gaul aufs Kreuz zu legen. Da liegen wir dann zusammen im Dreck. Den Kopf vom Gaul halte ich fest in meinen Armen. Das Tier hat sich mir ergeben.

„Nimm den Hund!“ Rufe ich dem Mann zu. Der Köter will sich nicht festnehmen lassen. Darum kriegt der von ihm aber voll den Tritt in die Seite. Der Hund taumelt und legt sich hin. Er nimmt das Tier wie eine große, schwere Handtasche am Genick und am Po und trägt den einfach weg. Ab über den Zaun und rein ins Auto.

Das Publikum ist mächtig beeindruckt von uns.

„Ist das Ihre Frau?“ Will einer von ihm wissen.
Und „Wieso hat der Hund keine Angst?“ Interessiert den auch noch.

Ein anderer starrt auf mein T-Shirt. Es ist ein Fan T-shirt von der „Forever Young“ Tour von Bob Dylan in rosa. Das Motiv ist ein Cowboy auf einem bockendem Pferd.

Ganz sicher, ich wäre eine erfolgreiche Rodeo-Reiterin geworden.

Mit Musik:

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