Schlagwörter

, ,


Neulich Nacht beim Gassi gehen. Hund wittert etwas. Das Etwas sieht aus wie Sperrmüll. Schwarz und braun. Eine Wurst von textilem Müll. Vielleicht Reste einer Auslegware.

Der Hund will da bestimmt rauf pinkeln. Auch nicht wirklich schön. Wir wechseln die Straßenseite.

Beim näher kommen erkenne ich erschrocken, dass die Wurst ein Mensch ist. Wirklich kein schöner Anblick. Phil steht am Fenster.

„Phil, komm schnell! Da liegt eine tote Oma…“

Befehle ich ihm. Schließlich halte ich den Hund. Der würde die Oma, falls diese nicht wirklich oder noch nicht tot sei, vermutlich zu Tode erschrecken. Seine Augen, sein pelziges Gesicht könnten das erste sein, was die wiederbelebte Oma anstarren würde. Die Gefahr dass er das vermeintliche Opfer anpinkeln wird, besteht  nicht mehr.

Phil zögert. Er sieht irgendwie angeekelt aus. Er will nicht.

„Nun komm schon. Sie ist vielleicht nicht wirklich tot. Hier liegt nur eine Oma!“

Versuche ich es noch einmal mit Worten.

Die Oma ist ja ein Mensch. Keine Drang-Tonne oder etwas ähnlich ekelhaftes. Was ist nur aus der Jugend von heute geworden?

Wenig motivierend meine Worte. Allerdings taucht seine Mutter am Balkon auf und befiehlt ihm runter zu kommen und nach der Oma zu sehen. Macht er auch.

Die Oma kommt zu sich und will nach Phil greifen um sich aufzurichten.

Das ekelt Phil so sehr, dass er sich ins Haus zu Mami flüchtet. Zu viel für einen 14jährigen.

Denn die Oma ist auch keine „richtige“ Oma. Sie ist schon eine Art von Oma, aber eben kein Zombie und auch nix „seriöses“.

Sie trägt ein Spaghetti-Top in schwarz. Einen schwarzen Volant-Rock, Latschen und sehr viel Schmuck. Ihre Haare sind pechschwarz. Die Haut hat eine tiefen Bronze-Ton und die Tätowierungen sind „old-school“. Hände, Arme in grün, rot und schwarz. Sie ist nicht viel älter als ich. Wir kennen uns. Wir sind Nachbarn. Zum Glück ist sie kein Gewalt-Opfer, sondern schlicht besoffen. Warum auch nicht? Der überwiegende Teil der Bevölkerung war schon in einem ähnlichem Zustand. Hund und ich übernehmen die Sache. Phil zeigt sich jetzt wieder gemeinsam mit der Mutter auf dem Balkon.

Es ist eine laue Sommernacht. Ila freut sich so sehr, dass mein Hund – welchen sie sehr liebt , wie sie betont – und ich sie halb tragend aber  bestens gelaunt  nach Hause bringen.

„Ich finde keine Arbeit mehr. Ich bin Köchin. Die sagen alle, wegen meinen Tätowierungen kriege ich keine Arbeit.“

Stellt sie betrübt fest.

„Du bekommst keine Arbeit weil Du zu alt bist. Nicht wegen der Tätowierungen. Lass Dir das von niemandem einreden.“

Stelle ich fest.

„Kommst Du noch mit rauf? Ein Bier trinken?“ Fragt sie.

Kopfschüttelnd lehne ich ab und überlasse sie ihrer Einsamkeit.

Am Morgen stehen  2 Krankenwagen vor der Nachbars Tür.

Seit jener Nacht habe ich die schwarze Ila nicht wieder gesehen.

Das Zeitloch. Es schluckt Menschen, Dinge und manche Erinnerungen.

Advertisements